Translate/ Übersetzen

Archive

Jan 182016
 

Finalsieg über Titelverteidiger Bayer Leverkusen

Im siebten Anlauf hat’s endlich geklappt: Der dänische Vizemeister Fortuna Hjørring hat zum ersten Mal in Jöllenbeck gewonnen. Viel spannender hätte es allerdings nicht laufen können. Denn nachdem das Finale gegen Titelverteidiger Bayer 04 Leverkusen nach regulärer Spielzeit 1:1 endete, musste die Entscheidung im Neunmeterschießen fallen. Und da machte eine Spielerin den Unterschied. Die US-Amerikanerin Aubrey Bledsoe hielt gleich zwei der drei Leverkusener Strafstöße und führte ihr Team dadurch zum Sieg bei »Weltklasse 2016«, dem 36. Internationalen Frauen-Hallenfußball-Turnier des TuS Jöllenbeck um den Pokal der Sparkasse Bielefeld.

Die Siegermannschaft Fortuna Hjørring

Die Siegermannschaft Fortuna Hjørring

Bereits vor dem Endspiel hatten alle Trainer ihre Stimmzettel zur Wahl der besten Akteurinnen des Wochenendes abgegeben – und schon da war die Fortuna-Torhüterin gleich sechsmal auf Platz eins gewählt worden. »Beste Torhüterin des Turniers« – eine Auszeichnung, deren Berechtigung nach dem Finalerfolg wirklich niemand mehr in Frage stellte.

»Das war wieder ein Super-Turnier«, schwärmte Fortunas Trainer Brian Sørensen. Und es war wieder einmal ein Turnier, das in Erinnerung bleiben wird. Eines, bei dem nach dem ersten Tag schon fast klar zu sein schien, wie es weitergehen würde. Eine alles überragende Mannschaft der SGS Essen, eine souveräne Vorstellung von Turbine Potsdam in der anderen Gruppe, und ein starker Auftritt von Sparta Prag zu Beginn des Turniers. Doch dann kam – fast – alles ganz anders.

Kann man überhaupt in der Halle gegen solche hochkarätigen Kontrahenten noch besser Fußball spielen? Dies fragten sich alle Zuschauer bei den Auftritten der SGS Essen in der Vorrunde. Das Team von Trainer Markus Högner gewann alle sechs Gruppenspiele, und das auf äußerst beeindruckende Art und Weise. 18 Punkte, 22:4 Tore, wer sollte diese Mannschaft stoppen können? Die Antwort: Ausgerechnet Bayer 04 Leverkusen. Das Team, das wegen Verletzungssorgen mit einer sehr jungen Mannschaft angetreten war und Essen schon im Vorjahr den Traum vom Titelgewinn zunichte gemacht hatte. Zwei Tore für Bayer im Halbfinale, und die SGS tat sich  plötzlich schwer, dem Rückstand hinterherzulaufen, holte am Ende sogar die Brechstange raus – ohne Erfolg. Der Frust über diesen Rückstand zum ungünstigsten Zeitpunkt saß offenbar so tief, dass die Essenerinnen dann auch noch das Spiel um Platz drei gegen Turbine Potsdam mit 2:7 verloren.

Trainerlegende Bernd Schröder mit Turnierchef Olaf Beughold und unserem Hallensprecher Rolf Kosmann

Trainerlegende Bernd Schröder (Mitte) mit Turnierchef Olaf Beugholt  und unserem Hallensprecher Rolf Kosmann

Apropos Potsdam: Für seinen letzten Auftritt auf der Jöllenbecker Fußball-Bühne nach 18 Jahren in Folge hatte sich der im Sommer scheidende Trainer Bernd Schröder noch einmal den Einzug ins Finale gewünscht, den sein Team sechsmal in der Geschichte des Turniers geschafft hatte. Aber im Halbfinale mussten sich die Turbinen einem klar besseren Gegner geschlagen geben: Fortuna Hjørring gewann überraschend deutlich mit 3:0.

Dass es Bayer 04 Leverkusen erneut ins Finale schaffen könnte, damit hatte wohl nur einer so richtig gerechnet. Essens Trainer Markus Högner hatte noch am Abend des ersten Tages prognostiziert, dass Leverkusen noch besser werden würde. Hellseherische Fähigkeiten, die seinem eigenen Team aber nicht weiterhalfen.

Tatsächlich war Bayer 04 Leverkusen mit gleich zwei Niederlagen ins Turnier gestartet – und nicht wenige dachten: Das war’s dann wohl. Aber denkste! »Schon unser zweites Spiel gegen Potsdam war ja ziemlich knapp, und dann haben wir uns immer weiter gesteigert«, analysierte Bayer-Trainer Thomas Obliers. Dank des besseren Torverhältnisses schob sich sein Team auf den letzten Drücker noch an Sparta Prag vorbei ins Halbfinale. Mit einem Fußball-Stil, der vor allem auf Effizienz, Kompaktheit und cleveres Verwalten von Führungen ausgerichtet war. So hielten sie auch im Finale bis zum Neunmeter-Schießen dem Druck von Fortuna stand.

Sparta Prag überzeugte am ersten Tag durch aggressives Pressing und schien sich zu einem möglichen Finalisten zu entwickeln. Dass es ausgerechnet durchs Torverhältnis nicht für den Einzug ins Halbfinale reichte, wurmte Spartas neuen Trainer Jan Janota gewaltig: »Das ist ein psychisches Problem. Gegen den schlechtesten Gegner in der Gruppe haben wir die schlechtesten Spiele gezeigt und zu wenig Tore erzielt. Dass wir genau deshalb raus sind, ist schon sehr bitter.«

Der schlechteste Gegner hieß CF Benfica Lissabon. Meister und Pokalsieger Portugals, aber ein absoluter Hallenneuling, der viel Lehrgeld zahlen musste und mit dem Tempofußball der hochklassigen internationalen Konkurrenz schlichtweg überfordert war. Mit großem Kader waren sie angereist, mit Vereinsvorstand, Präsident, hatten eigens für das Turnier neue Vereinswimpel mit deutschem Schriftzug herstellen lassen. Und mussten dann feststellen, wie groß der Abstand selbst zum aktuellen Tabellenvorletzten der Bundesliga noch ist. Im Spiel um Platz sieben unterlag Benfica deutlich dem SV Werder Bremen mit 5:7 – konnte aber immerhin für sich in Anspruch nehmen, die zweite Halbzeit gewonnen zu haben, denn schon zur Pause hatte es 2:6 gestanden. Ein Aufbäumen, das die Zuschauer in der Sporthalle der Jöllenbecker Realschule mit ebenso lautstarkem wie herzlichem Applaus belohnten.

Werder Bremen, ebenfalls Turnier-Neuling, hatte nach dem ersten Tag zumindest noch theoretisch die Chance, das Halbfinale zu erreichen. Fiel dann aber doch noch in der Tabelle hinter den belgischen Top-Klub RSC Anderlecht zurück, der das Kunststück vollbrachte, nach null Punkten aus vier Spielen am ersten Tag am zweiten dann drei Siege und ein Unentschieden folgen zu lassen. Am Ende wurden sie damit sogar noch Fünfter und damit zweitbester Ausländer zu werden. Respekt für diese Aufholjagd!

Für die enttäuschten Gruppensieger Essen und Potsdam gab es zumindest ein wenig individuellen Trost. Svenja Huth (Turbine Potsdam/9 Tore) wurde als Beste Torschützin des Turniers ausgezeichnet und Essens Linda Dallmann als Beste Spielerin – auch wenn die hinterher ganz bescheiden anmerkte: »Ich fand eigentlich, dass Svenja noch besser war als ich.« Auf die Ränge zwei und drei wurden Fortuna Nadia Nadim und Vorjahressiegerin Charline Hartmann (SGS Essen) gewählt.

Vor einem Jahr erzielte Jessica Wich noch den letzten Treffer zum Turniersieg für Bayer 04 Leverkusen. In diesem Jahr war sie es, die den entscheidenden Neunmeter im Finale verschoss. Aber Bayer-Trainer Obliers nahm es gelassen: »Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Der zweite Platz ist für dieses junge Team ein Riesenerfolg.«

 

Die geehrten Spielerinnen. Linda Dallmann, Aubrey Bledsoe und Svenja Huth

Die geehrten Spielerinnen. Linda Dallmann, Aubrey Bledsoe und Svenja Huth

Beste Spielerinnen 2016:

  1. Linda Dallmann (SGS Essen)
  2. Nadia Nadim (Fortuna Hjørring)
  3. Charline Hartmann (SGS Essen)

Beste Torhüterinnen 2016:

  1. Aubrey Bledsoe (Fortuna Hjørring)
  2. Leonie Doege (Bayer 04 Leverkusen)
  3. Jil Strüngmann (SGS Essen)

Beste Torjägerinnen 2016:

  1. Svenja Huth (Turbine Potsdam)            9 Tore
  2. Charline Hartmann (SGS Essen)           7 Tore
  3. Linda Dallmann (SGS Essen)                 5 Tore

Abschlusstabelle 2016:

  1. Fortuna Hjørring (Dänemark)
  2. Bayer 04 Leverkusen
  3. Turbine Potsdam
  4. SGS Essen
  5. RSC Anderlecht (Belgien)
  6. Sparta Prag (Tschechien)
  7. Werder Bremen
  8. CF Benfica Lissabon (Portugal)
Norbert Schlingmann (Sparkasse Bielefeld), Line S. Jensen, Mark Pixa (Herforder Brauerei)

Norbert Schlingmann (Sparkasse Bielefeld), Line S. Jensen, Marc Pixa (Herforder Brauerei)

 Posted by at 23:07

Sorry, the comment form is closed at this time.