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Feb 202017
 

Das 38. Int. Frauen-Hallenfußball-Turnier »Weltklasse 2018« um den Pokal der Sparkasse Bielefeld findet am 13. und 14. Januar 2018 in der Sporthalle der Realschule in Bielefeld-Jöllenbeck statt. Der veranstaltende TuS Jöllenbeck plant das Turnier erneut mit 8 Mannschaften – 4 Teams aus der Bundesliga, 4 Teams aus dem Ausland. Weitere Information folgen zum Ende des Sommers.

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Jan 232017
 

Großer Sport und kleine Geschichten

»Weltklasse 2017« war auch im Internet wieder ein Renner. Etwa eine Viertelmillion Mal wurde der Live-Ticker während der zwei Turniertage aufgerufen. »Die reine Zahl der Besucher der Seite ist gegenüber dem Vorjahr nochmal um zehn Prozent gestiegen«, so Webmaster Axel Finger vom TuS Jöllenbeck. Und weitere Klicks werden folgen, denn nach und nach werden die Videos von »Weltklasse 2017«, dem 37. Internationalen Frauen-Hallenfußball-Turnier des TuS Jöllenbeck um den Pokal der Sparkasse Bielefeld auf der Turnier-Website www.frauenturnier.com veröffentlicht, darunter alle vier Endrundenspiele in voller Länge und HD-Qualität plus jede Menge Interviews mit Spielerinnen und Trainern. »Weltklasse 2017«– ein Turnier mit großem Sport und kleinen Geschichten am Rande.

Fair-fair-fair-play: Man kann es auch übertreiben. Manch einer meint, der sogenannte Fairplay-Anstoß, den es aufgrund der Verbandsbestimmungen auch seit 2016 beim »Weltklasse«-Turnier gibt, sei schon des Guten zu viel. Dabei passt die anstoßende Spielerin den Ball einer Gegnerin zu, die ihn dann wieder an eine Akteurin des Anstoßteams zurückspielt. Die deutsche Nationalspielerin Sara Doorsoun überraschte alle im Finale mit einer erweiterten Variante. Gerade hatte die SGS Essen zum 2:2 ausgeglichen, Fortuna Hjørring also eigentlich Anstoß. Da legte sich Doorsoun den Ball im Mittelkreis zurecht und spielte ihn Fortunas »Tamires« zu. Nicht der Sinn der Sache, aber fair. »Tamires« war allerdings dermaßen überrascht, dass sie den Ball prompt wieder auf die Essener Seite zu Vanessa Martini zurückspielte. Die wiederum löste den Knoten glücklicherweise doch noch im Sinne des Erfinders auf, indem sie »Tamires« wieder in die Füße passte. Gut, ein einziger Pfiff des Schiedsrichters hätte auch gereicht, um für klare Verhältnisse zu sorgen. Aber der war wohl von allen Beteiligten am meisten überrascht – von Doorsouns Aktion und dann auch noch der nachfolgenden Kettenreaktion. Er ließ das Spiel(chen) einfach laufen. Gut so.

Nachgereist: Für manch ein internationales Top-Team, das gern bei »Weltklasse 2017« dabei gewesen wäre, kam der Termin des Turniers zu früh – weil die Saisonvorbereitung noch nicht begonnen hatten, weil Spielerinnen noch im Urlaub weilten. Fast wäre das auch der tschechischen Nationalspielerin Petra Bertholdová so ergangen. Aber was ein echter »Weltklasse«-Fan ist, improvisiert. Und so reiste Bertholdová am Samstagmorgen aus dem Urlaub kommend mit dem Pkw ihrer Mannschaft von Prag nach Jöllenbeck hinterher, um schon mittags im Einsatz zu sein. Danke, Petra!

Zahlender Ehrengast: Normalerweise lädt man Politiker zu einer Veranstaltung ein. Dann kommen sie mal eben vorbei, diktieren ein paar bedeutungsschwangere Worte in Blöcke und Mikrofone und gehen wieder – auf zu neuen Ufern. Nicht so Christina Kampmann. Die nordrhein-westfälische Sport- und Familienministerin hatte sich (fast) unerkannt unters Volk gemischt, und das schon am Samstag. »Eine Freundin hat mich angerufen, mir gesagt, dass hier eine tolle Veranstaltung ist, und gefragt, ob ich nicht auch kommen will«, erklärte die Politikerin, die ihr Kommen nicht bereute. Obwohl sie selbst Bielefelderin ist, war sie zum ersten Mal beim »Weltklasse«-Turnier in Jöllenbeck, aber nicht zum letzten, wie sie versicherte: »Ich bin begeistert!«

Vermisste Stars (1): Ja, wo sind sie denn? Das wird sich der eine oder andere gefragt haben. Gleich acht Akteurinnen aus der letzten Bundesliga-Startelf von Turbine Potsdam waren nicht mit nach Jöllenbeck gekommen. Einige verständlicherweise und erwarteter Weise wegen ehemaliger schwerer Knieverletzungen (Elsig, Wesely) oder gerade erst überstandenen Verletzungen (Wälti). Andere allerdings, darunter die »Weltklasse«-Torschützenkönigin von 2016, Svenja Huth, wurden von der Politik zurückgehalten, mussten an einer Olympiaveranstaltung am Stützpunkt Potsdam teilnehmen. Zum Ärger der erneut zahlreich anwesenden Potsdamer Fans, des eigenen Trainers Dirk Heinrichs und zu ihrem eigenen, wie Heinrichs versicherte: »Gerade Svenja spielt super gern in der Halle und wäre am liebsten mitgekommen.«

Vermisste Stars (2): Potsdam war allerdings nicht das einzige Team, bei dem einige Stars fehlten. So trat die SGS Essen ohne ihre vier stärksten Offensivspielerinnen an. Linda Dallmann (Beste Turnierspielerin bei »Weltklasse«) wurde nach überstandener Verletzung noch geschont, Lea Schüller war zwar vor Ort, laboriert aber noch an ihrer bei der U 20-WM im Herbst erlittenen Verletzung. Jungstar Nicole Anyomi sollte mit ihren gerade mal 16 Jahren noch die Freuden eines Jugendturniers genießen und verstärkte deshalb die Essener U 17 beim Gütersloher Hallenmasters – und wurde dort Torschützenkönigin. Stürmerstar Charline Hartmann (Torschützenkönigin »Weltklasse 2015«) dagegen hätte spielen können, wenn ihr Trainer Daniel Kraus nicht entschieden hätte, sie erst eine Woche später beim »kleineren« Hallenturnier in Rauenberg einzusetzen. Schade, Daniel!

Vermisste Stars (3): Erfahrenste und beste Fußball- und Hallenfußball-Spielerin des KRC Genk ist ohne Zweifel die belgische Nationalspielerin Lien Mermans. »Leider hat sie sich im Abschlusstraining leicht verletzt, und weil sie nach dem Turnier direkt zur Nationalmannschaft soll und dort ein Länderspiel absolvieren, wollten wir nichts riskieren«, erklärte KRC-Trainer Luk Verstraeten, »aber mit ihr wären wir sicherlich stärker gewesen.«

Vermisste Stars (4): »Leider hat sich Lissi Meyer kurz vor dem Turnier verletzt«, ärgerte sich Colin Bell, Trainer des SC Sand, schon bei der Ankunft, »dabei ist sie unsere Top-Spielerin in der Halle. So musste die Schweizer Nationalspielerin genauso zu Hause bleiben wie Leverkusens Olympiasiegerin Annike Krahn, die sich erst kürzlich einer Meniskus-Operation hatte unterziehen müssen. Gar nicht mehr in der Halle spielt seit fünf Jahren Nationaltorhüterin Lisa Weiß (SGS Essen), aus Vorsicht nach ihrem Kreuzbandriss. Dennoch schlagen zwei Seelen in der Brust, denn eigentlich mag sie den Hallenfußball, war auch mit ihrem Ex-Klub FCR Duisburg schon mal in Jöllenbeck im Einsatz. Immerhin schaute sie am Sonntag privat in der Halle vorbei und unterstützte ihre Mannschaft von der Bank aus.

Verschneite Premiere: Der belgische Erstligist KRC Genk hätte eigentlich das erste Team sein sollen, das am Vorabend des »Weltklasse«-Turniers noch ein Ligaspiel absolviert hat. Aber dazu kam es dann doch nicht. Schneefälle hatten den Platz in Leuven unbespielbar gemacht. Somit kamen die Genkerinnen frisch, aber eben auch nicht eingespielt in Jöllenbeck an. Am Ende blieben sie zwar ohne jeglichen Punktgewinn, hatten jedoch aufgrund ihrer couragierten und technisch durchaus gefälligen Spielweise viele neue Freunde gewonnen. Auch in Potsdam. Denn von dort erhielten sie die Anfrage, ob sie nicht auch mal beim Turbine-Hallen-Cup mitmachen wollen. Nicht schlecht für einen Turnierletzten – im doppelten Wortsinn.

Von »Weltklasse« hinaus in die Welt: Das Wort Rückfahrt hatte für viele der Stars von »Weltklasse 2017« eine ganz unterschiedliche Bedeutung. Denn zahlreiche Nationalspielerinnen düsten aus Jöllenbeck nicht etwa zurück nach Hause, sondern zu Trainingslagern ihrer Nationalmannschaften. So sind die Däninnen seit Montag in Zypern, tragen dort auch ein Testspiel gegen Schottland aus. Belgien trat zu einem Trainings- und einem Testspiel gegen Frankreich an, Finnland schlug im Trainingslager in Spanien mit Hjørrings Duo Tuija Hyyrynen und Nora Heroum Russland mit 2:0.

Titelträger und Finalisten – Die Turnierhistorie: Mit der SGS Essen gewann bei der 37. Turnierauflage der 21. Verein in Jöllenbeck und zum zehnten Mal musste ein Finale vom »Punkt« entschieden werden. Für die nächsten 12 Monate steht damit der Pokal der Sparkasse Bielefeld in der Vitrine der Sportgemeinschaft Essen-Schönebeck.

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