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Jan 022018
 

»EM-Revanche hat einen ganz besonderen Reiz«

Zehnmal werden wir noch wach… jawohl, dann darf schon wieder gefeiert werden – das größte Frauenfußball-Fest des Winters. »Weltklasse 2018«, das 38. Internationale Frauen-Hallenfußball-Turnier des TuS Jöllenbeck um den Pokal der Sparkasse Bielefeld, lockt am 13. und 14. Januar die Fußballfans nach Ostwestfalen. Alle vier Halbfinalisten des Vorjahres sind wieder mit dabei, und dazu kommt es zu einem interessanten Ländervergleich auf Klub-Ebene. Viel Arbeit, aber auch große Vorfreude bei Turnierdirektor Olaf Beugholt und Turnierleiter Markus Baumann vom TuS Jöllenbeck.

Vier deutsche Erstligisten gegen drei dänische Erstligisten – das klingt fast nach einer großangelegten Revanche für das Viertelfinal-Aus der deutschen Frauen bei der Europameisterschaft gegen Dänemark. War das von Anfang an so geplant?
Olaf Beugholt: Nein, das hat sich im Lauf der Verhandlungen so ergeben, aber so ein Ländervergleich – quasi eine EM-Revanche –  hat natürlich einen ganz besonderen Reiz. Denn es sind ja nicht nur einfach drei beliebige dänische Erstligisten, sondern der Vizemeister Fortuna Hjørring, der Drittplatzierte der vergangenen Saison VSK Aarhus und der Vierte KoldingQ. Auch für die ist das eine äußerst reizvolle Gelegenheit, sich mit vier Klubs aus der besten Liga der Welt zu messen.

Die Bundesliga ist allerdings in Werder Bremen und dem 1. FC Köln mit zwei Aufsteigern vertreten, zwei Vereinen noch ohne internationale Erfahrung im Frauenbereich.
Markus Baumann: Das stimmt. Auf den ersten Blick. Aber beide Vereine haben viele Spielerinnen im Kader, die mit den U- und A-Nationalmannschaften schon große Erfolge gefeiert haben. Und Köln hat in Peggy Nietgen und Anne-Kathrine Kremer zwei, die mit dem 1. FFC Frankfurt  sogar die Champions-League gewonnen haben. Ähnliche Konstellationen findet man in keinem anderen Land, in keiner anderen Liga. Interessant ist ja in diesem Jahr auch, dass beide Aufsteiger in der Winterpause nicht auf einem Abstiegsplatz stehen. Das war in den vergangenen Jahren eigentlich die Regel, dass zumindest einer der beiden Neuen so große Gewöhnungsschwierigkeiten hatte, dass er von ganz unten auch gar nicht mehr wegkam. Das ist in dieser Saison nicht so – wohl auch deshalb nicht, weil Köln und Bremen vor zwei Jahren schon Erstligisten waren und genau das erlebt haben. Und jetzt ihre Erfahrung vom ersten Aufstieg mitnehmen können.

Wie schwer ist es denn, das Teilnehmerfeld für das »Weltklasse«-Turnier zusammenzustellen und nach welchen Kriterien gehen Sie vor?

Olaf Beugholt: Unser Hauptkriterium ist: Wir wollen die bestmöglichen Mannschaften zu uns holen. Das ist Ansporn, Anspruch aber auch Schwierigkeit zugleich. Denn nicht alles, was man sich wünscht, ist auch möglich. Unser Turnier ist ein Einladungsturnier. Und jede Mannschaft, die wir einladen, muss schon ein gewisses Grundniveau mitbringen, um mit der Turnierkonkurrenz mithalten zu können und nicht von vornherein chancenlos zu sein.
Markus Baumann: Wobei das natürlich in der Praxis dann trotzdem vorkommen kann. Das betrifft nahezu jede Mannschaft aus dem Ausland, die nicht schon mal bei uns war und in deren Land eben kein Hallenfußball gespielt wird. Da kannst du zu Hause Serienmeister sein und in der Champions League spielen, aber dann kommst du nach Deutschland in die Halle, musst dich erst an die Regeln und Spielweise gewöhnen und hast als Gegner unter anderem auch noch vier Vertreter aus der besten Liga der Welt. Auch da gilt es, erstmal Erfahrung zu sammeln.
Olaf Beugholt: Von null auf eins, das haben wir bei internationalen Teams erst einmal erlebt, 2004, mit Djurgården/Älvsjö, als die Schwedinnen bei ihrem Debüt gleich das Turnier gewonnen haben – mit ihren Superstars wie Kicki Bengtsson oder Victoria Svensson. Bei denen hat damals einfach alles gepasst. Dafür taten die sich bei späteren Teilnahmen dann schwerer, wurden vier Jahre später sogar Letzter.
Markus Baumann: Übrigens: Wenn man sich unsere Ergebnisliste der vergangenen 18 Jahre anschaut, dann ist es im Nachhinein erstaunlich, wie oft internationale Topteams Letzter oder Vorletzter bei uns geworden sind. Man meint immer: Mensch, die hatten doch ganz tolle Spielerinnen dabei! Aber gereicht hat es dann am Ende trotzdem nicht für eine bessere Platzierung.

Seit 2012 gab es kein Team mehr aus Schweden. War das so gewollt? Oder wollen die Schweden nicht mehr?

Olaf Beugholt: Weder noch. Natürlich gibt es schwedische Vereine, die noch nie bei uns waren, weil zum einen der Trainer keinen Hallenfußball mag oder einfach diese erste Erfahrung, mal bei uns dabei gewesen und infiziert worden zu sein, fehlt. Aber es gibt einige schwedische Vereine, die für uns sehr interessant sind und die sich auch für uns interessieren. Aber unser Turniertermin liegt schon sehr früh im Jahr, vor allem für Mannschaften aus Ligen, deren Spielbetrieb erst wieder im April beginnt. Heißt: Sie haben ihre Mannschaft Mitte Januar noch gar nicht wieder zusammen, viele sind im Urlaub und fahren dann gleich weiter zu den Nationalmannschaften.
Markus Baumann: In Schweden kommt hinzu, dass in der Regel Ein-Jahres-Verträge mit den Spielerinnen abgeschlossen werden. Und erst wenn die Saison zu Ende ist, also Anfang November, geht es los mit den Vertragsverhandlungen. Manche haben bis Ende des Jahres nicht mal einen Trainer für die neue Saison. Und wer soll und kann dann überhaupt entscheiden, ob man zu einem Top-Hallenturnier nach Deutschland fahren soll. Die haben erstmal vordringliche Dinge zu lösen und erst dann den Kopf, über uns nachzudenken, wenn es bei uns in der schon zu spät ist.
Aus wie vielen Mannschaften können Sie überhaupt wählen, um ein qualitativ hochwertiges Teilnehmerfeld zusammenzubekommen?
Markus Baumann:  Abzüglich der Ligen wie Frankreich, Spanien, Portugal oder Italien, in denen im Winter durchgespielt wird, bleiben noch etwa 60 Vereine, die für uns interessant sind. Das ist schon eine enorme Zahl, die in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen ist, weil der Frauenfußball in zunehmend mehr Ländern ernst genommen und professionalisiert wird.

Aber genau diese Professionalisierung steht uns dann natürlich auch wieder im Weg.

Olaf Beugholt: Genau. Wir hätten natürlich auch gern mal wieder ein Team aus dem neuen Europameisterland Niederlande dabeigehabt. Das ging aber nicht. Weil die Top-Teams alle schon im Januar im Trainingslager im Süden sind. Ein weiteres Handicap, mit dem wir schon immer mal mehr und mal weniger zu kämpfen haben, ist die internationale Abstellungspflicht. Vom 15. bis 24. Januar müssen die Vereine alle ihre Nationalspielerinnen freigeben für die Trainingslager der Nationalteams. Und immer mehr Länder nehmen das in Anspruch, um den Anschluss an die Top-Nationen herzustellen.
Dänemark hat ja bekanntermaßen selbst eine Hallenfußballtradition – das ist sicherlich auch ein Kriterium, was dafür gesprochen hat, letztlich zum ersten

Mal drei Vereine aus einem Land zu verpflichten, oder?
Markus Baumann: Ja, ein gewisses Grundniveau ist da garantiert. Allerdings muss man mit Prognosen vorsichtig sein, denn in Dänemark wird seit ein paar Jahren in der Halle nur noch nach Futsalregeln gespielt. Das ist schon eine Umgewöhnung. In Deutschland besteht hier noch Nachholbedarf.
Olaf Beugholt: Ich bin sehr gespannt, wie sich der Debütant KoldingQ bei uns schlagen wird. Ein neuer Name mit neuen Gesichtern – das ist ja auch etwas, worauf wir immer wieder Wert legen. Unseren Zuschauern immer mal wieder etwas Neues bieten, auch etwas, was vielleicht anfangs erstmal unterschätzt wird. Wir hatten in den vergangenen Jahren hier Top-Teams aus Island, der Schweiz, Belgien und Portugal – vermeintliche Exoten, die kurz darauf alle ihren internationalen Durchbruch hatten und im Sommer alle bei der EM waren.
Markus Baumann: Auch nicht zu vergessen der SC Heerenveen. Die Niederländerinnen waren damals bei uns mit Sherida Spitse und Vivianne Miedema – heute zwei der besten Spielerinnen der Welt und beide Europameisterinnen.
Olaf Beugholt: Die richtige Mischung macht’s. Seit 2015 haben wir jedes Jahr die Top 4 des Vorjahres dabei, so auch diesmal. Und dazu vier neue Herausforderer. Das sorgt für Spannung und Abwechslung.
Markus Baumann: Es gibt ja auch leider nur noch drei größere Hallenturniere. Neben »Weltklasse« noch das in Potsdam, wo sieben ausländische Vereine und Turbine als Gastgeber am Start sind, und das eintägige Turnier in Rauenberg, mit deutschen Erst- und Zweitligisten.
Olaf Beugholt: Letztes Jahr hat Potsdam sein eigenes Turnier gewonnen, der SC Sand in Rauenberg. Beide waren bei uns und landeten hinter der SGS Essen. Also alle drei Hallenturniersieger von 2017 konnte man bei uns zusammen in einem Turnier sehen. Sowas lässt sich natürlich nicht planen, zeigt aber, dass wir bei der Auswahl ein gutes Händchen hatten.

Ist Titelverteidiger SGS Essen für Sie erneut der Titelfavorit?

Markus Baumann: DEN Titelfavoriten gibt es für mich nicht. Aber natürlich gehört Essen dazu, jetzt, wo die Mannschaft etliche A-Nationalspielerinnen hat, die alle im eigenen Verein dazu gemacht wurden. Der Verein hat sich toll entwickelt. Aber auch Potsdam und Fortuna Hjørring muss man immer auf der Rechnung haben.
Olaf Beugholt: Bei Sparta Prag fehlte oft nicht viel, um auch noch den Schritt ins große Finale zu machen. Dass die Tschechinnen immer besser werden, sieht man auch an der Entwicklung der Nationalmannschaft, die es zuletzt den Deutschen sehr schwer machte. Und dann bin ich ebenso gespannt wie alle auf die vier Neuen – für mich ist zum Beispiel Werder Bremen ein Team, das für eine große Überraschung sorgen kann.

Wo gibt es die Eintrittskarten?

Markus Baumann: Die Tickets werden exklusiv bei zwei Bielefelder Vorverkaufsstellen angeboten. Sie sind erhältlich bei der Neuen Westfälischen in der Geschäftsstelle Bielefeld-Innenstadt, Niedernstraße 21-27 und am Veranstaltungsort in Jöllenbeck, im Reisebüro Jöllenbeck, Karin Joneleit, an der Dorfstraße 16. Ferner ist die Bestellung auch online unter www.frauenturnier.com möglich. Selbstverständlich gibt es auch Karten an den Tageskassen.

 

Gruppe 1

SGS Essen (Bundesliga; Sieger 2017, Finalist 2015)
Fortuna Hjørring (Dänemark; Finalist 2017, Sieger 2016, Champions League-Teilnehmer 2017)
Werder Bremen (Bundesliga)
KoldingQ (Dänemark)

 

Gruppe 2

Turbine Potsdam (Bundesliga; Dritter 2017)
AC Sparta Prag (Tschechien; Vierter 2017, Champions League-Teilnehmer 2017)
VSK Aarhus (Dänemark)
1. FC Köln (Bundesliga)

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